Wer bitteschön kennt Norbert Röttgen? Insider des Politbetriebes - ja. Die breite Öffentlichkeit sicher nicht. Das wird sich bald ändern. Deutschlands neuer Umweltminister wird sehr bald ins Scheinwerferlicht treten, spätestens im Dezember bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.

Spätestens dann wird er auch sagen müssen, wohin die Reise klimapolitisch gehen soll. Seine Chefin, Bundeskanzlerin Merkel, hat schon klar gemacht, dass Deutschland beim Klimaschutz auch weiter eine Vorreiterrolle spielen wolle. Klingt gut.
Fragt sich nur, wie die Klimaziele erreicht werden sollen. Mit einer Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken lässt sich zwar mittelfristig eine CO2-Bilanz aufhübschen. Aber das Problem des strahlenden Mülls wird nur größer. Ein Endlager - und sei es auch das umstrittene Gorleben - ist für die nächsten zwei Jahrzehnte nicht in Sicht. Mindestens so lange werden die Behälter also oberirdisch zwischengelagert werden müssen. Keine guten Aussichten.
Dagegen erklären Wissenschaftler den Sektor der Erneuerbaren Energien inzwischen zu einem künftigen Wirtschaftsmotor. Das aktuelle Leitszenario des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt hält die Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland auf ein Fünftel des Standes von 1990 bis 2050 durchaus für möglich. Nur dürfe die Ausbaudynamik dieses Sektors nicht nachlassen. Schon bessere Aussichten.
Der neue Chef im Umweltministerium muss also bald deutlich machen, wo es langgehen soll. Viele werden versuchen, ihn vor ihren Karren zu spannen, zuallererst natürlich diejenigen, die am meisten zu verlieren haben, und dazu zählen besonders die großen Energieerzeuger. Je länger die Meiler laufen, desto höher ihre Gewinne. Profil kann der Neue auch zeigen, indem er eine deutliche Kante zieht zum künftig FDP-geführten Wirtschaftsministerium, das in Sachen Energiepolitik auch mitredet.
Röttgen gilt als einer, der Ahnung von Wirtschaft hat. Fast wäre er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie geworden. Dass so jemand nun die Geschicke der deutschen Umweltpolitik bestimmt, muss kein Nachteil sein. Ein Wirtschaftsrealist als Öko, quasi. Und wenn er wirklich so gute Kontakte zu den Grünen pflegt, wie man ihm nachsagt, dann gehört er an prominenter Stelle zur strategischen Personalreserve der Union.
Eine starke und entschiedene Umweltpolitik, die Realismus vor Ideologie stellt, allen nutzt, aber auch allen ein bisschen weh tut, muss nicht falsch sein. Auch nicht für das politische Fortkommen des neuen Amtsinhabers. Aus Umweltministern kann bekanntlich etwas werden. Bestes Beispiel: die Kanzlerin.