Spritsparen liegt im Trend, ökonomisch und ökologisch. Geringerer Kraftstoffverbrauch bedeutet auch geringeren CO2-Ausstoß. Immer häufiger findet man deshalb sogenannte "Ökoreifen" im Angebot, Leichtlaufreifen, die sich durch besonders niedrigen Rollwiderstand auszeichnen. Aber sind sie wirklich empfehlenswert?
Prof. Jörg Wallaschek vom Institut für Dynamik und Schwingungen an der Universität Hannover weist auf einen Zielkonflikt hin: "Reifen mit besonders geringem Rollwiderstand weisen manchmal Schwächen bei der Sicherheit auf, das heisst, Bremswege werden länger. Auch die Seitenführung leidet."
An Wallascheks Institut untersucht man auf einem speziellen Prüfstand Stollen und Profile von Reifen. Neben den jeweiligen Formgebungen sind die verwendeten Materialien entscheidend. "Billige, härtere Gummimischungen bieten zwar weniger Widerstand, verlieren aber im Sicherheitsvergleich."
Auf dem Contidrom, der Reifenteststrecke im Norden Hannovers, vergleichen wir drei Sommerreifen, um diese Aussagen nicht wissenschaftlich, aber immerhin tendenziell zu überprüfen. Die Pneus - zwei Standardmodelle und ein Ökoreifen:
Sie alle in der Dimension 205/55 R 16 V, gefahren auf zwei VW Golf V 1.4 TSI. Ermittelt werden Durchschnittsverbräuche und Bremswege auf nasser Fahrbahn. Gemessen wird bei 80 km/h, bei 100 km/h und bei 130 km/h.
Beim Kraftstoffverbrauch liegen die drei nahe beieinander:
Der Ökoreifen von Michelin gewinnt, aber die Ersparnisunterschiede sind nicht sehr groß. Sie liegen in unserem Test bei höchstens zwei Prozent.
Die Bremswege allerdings differieren deutlicher:
Gebremst wurde auf nassem Asphalt aus 100 km/h Geschwindigkeit bis zum Stillstand. Die Unterschiede zwischen dem Standardmodell von Conti und dem Triangle aus China liegen knapp unter 30 Prozent.
Keine Chance gegen die beiden Reifen aus europäischer Premium-Produktion hat der chinesische Triangle, der nur etwa die Hälfte der beiden anderen kostet. Hier ist Geiz nicht geil, sondern gefährlich - lebensgefährlich. Der Michelin-Ökoreifen hat einen um zirka sechs Prozent längeren Bremsweg als der Standard-Continental, dafür spart er 0,11 Liter auf 100 Kilometer ein. Auch hier wird der Kompromiss zwischen Rollwiderstand und Bremseigenschaften deutlich.
Der Reifen-Forscher Wallaschek rät: "Jeder sollte überlegen, wie er sein Fahrzeug einsetzt. Ökoreifen können bei einem Kleinwagen mit begrenzter Geschwindigkeit durchaus vernünftig sein, bei höheren Geschwindigkeiten sollte man aber klar auf die Sicherheitsaspekte achten. Wichtig ist immer Qualität, und die findet man nur bei Premiumherstellern. Die Europäer sind da deutlich besser als die auf Kosteneinsparung getrimmten asiatischen Reifen. Was nützt ein billiger Reifen, wenn man damit einen Auffahrunfall hat?"