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22. März 2010
 

ZDF.umwelt

 
sonntags, 13.15 Uhr
Rückblick: ZDF.umwelt vom 08.11.2009
Brachvogel. Quelle: Markuu Pirttimaa
Brachvogel

ZDF.umwelt unterwegs

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Die Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes

Begonnen hat alles im Jahre 1989, als in Deutschland die Mauer fiel. Die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland wurde aufgehoben und mit dem Fall der Mauer fiel auch der Eiserne Vorhang zwischen Ost- und Westeuropa. Das Ende des Kalten Krieges leitete den politischen Wandel in Europa ein. Damit bot sich für den Naturschutz eine große Chance.

 
 
 
 

Die unmenschliche Grenze verhalf der Natur zu einer fast 40-jährigen Verschnaufpause und wurde so zu einem Rückzugsraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Es ist der Arbeit engagierter Naturschützer der damaligen Bundesrepublik Deutschland und der DDR zu verdanken, den "neu" entstandenen Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenzlinie unter Schutz zu stellen. Heute stellt dieses Grüne Band in Deutschland ein ganz besonderes Naturjuwel dar. Es ist 1393 Kilometer lang und umfasst eine Fläche von etwa 177 Quadratkilometern.

Symbol der Vereinigung

Ausgehend vom Grünen Band Deutschland hat sich die Idee weiterentwickelt, ein "Grünes Band Europa" vom Eismeer bis ans Schwarze Meer zu schaffen. Vor allem im Zusammenhang mit der Erweiterung der Europäischen Union am 1. Mai 2004 hat die Umsetzung gemeinsamer Naturschutzziele als Beitrag zur Überwindung der historischen Trennung Europas an Fahrt aufgenommen.

Inzwischen ist das Grüne Band Europa nicht nur ökologisches Rückgrat des europäischen Naturschutzes, sondern auch Symbol des Zusammenwachsens in Europa. Dass Michail Gorbatschow, ehemaliger sowjetischer Staatschef, die Schirmherrschaft für das Grüne Band Europa übernommen hat, unterstreicht die große Bedeutung für den Naturschutz als Symbol der Vereinigung zwischen West und Ost.

 
 

Einteilung des Grünen Bandes

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) koordiniert alle Aktivitäten rund um das Grüne Band. Sie arbeitet dabei eng mit den drei Regionalkoordinatoren zusammen, die für verschiedene Abschnitte des Grünen Bandes zuständig sind:

Vielfraß. Quelle: Markku Pirttimaa
Markku Pirttimaa
Der Vielfraß ist in den nordeuropäischen Wäldern selten geworden.

Als Regionalkoordinator betreut der Baltic Fund for Nature den fennoskanischen Abschnitt des Grünen Bandes. Dieser spannt sich über 1000 Kilometer entlang der Finnisch-Russisch-Norwegischen Grenze. Dieser bis zu 30 Kilometer breite Streifen beherbergt einige der letzten alten Nadelwälder der Taiga und Waldtundra, wie sie nur auf der nördlichen Halbkugel zu finden sind. Durch den Kalten Krieg und die geringen wirtschaftlichen Aktivitäten blieben die Wälder in einem sehr ursprünglichen Zustand erhalten.

Seit dem Ende der "Schonzeit" werden Teile der Wälder wirtschaftlich genutzt. Auch wenn einige Schutzgebiete eingerichtet werden konnten, ist mehr als die Hälfte dieser einzigartigen Landschaft bedroht. Auch die Tierwelt wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen: Braunbär, Wolf, Taiga-Rentier und der Vielfraß gehören inzwischen zu den gefährdeten Arten.

 

Das BUND-Projektbüro Grünes Band ist für den zentraleuropäischen Abschnitt zuständig. In diesem Bereich durchquert das Grüne Band Europa vorwiegend Kulturlandschaften. Dazu zählen die Länder Deutschland, Tschechien, Österreich, Ungarn und Slowenien. Gebietsansprüche durch Landwirtschaft, Straßen- und Städtebau sowie der Freizeitindustrie stellen eine große Gefahr für die grüne Lebensader dar. So ist ein naturverträglicher Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Ökologie gefragt, damit die Schatzkammer für nachfolgende Generationen erhalten bleibt.

 
Prespa-See.
Der Prespa-See in Albanien ist reich an endemischen Fischarten.
 

Im südosteuropäischen Abschnitt ist Euronatur als Regionalkoordinator tätig. Hier liegt etwa die Hälfte der vorrangigen Gebiete für einen grenzübergreifenden Naturschutz am Grünen Band Europa. Einige Projekte werden bereits umgesetzt, darunter besonders jene im Bereich bedeutender Gewässersysteme, wie das Drau-Mur-Flusssystem, der Skutarisee mit dem Bojana-Delta und die Prespa-Ohrid-Seen. Die Weltbank wird für Schutzmaßnahmen mehrere Millionen US-Dollar investieren, welche in einen nachhaltigen Tourismusmasterplan und in die Vermarktung bäuerlicher Produkte fließen sollen.