Hauptnavigation:

Sie sind hier:

30. Juli 2010
 

ZDF.umwelt

 
sonntags, 13.15 Uhr
Rückblick: ZDF.umwelt vom 27.09.2009
Pottwal beim Abtauchen. Quelle: vario images
Mit etwas Glück kann man im Mittelmeer Pottwale beboachten.

Auf den Spuren Moby Dicks

Walbeobachtung im Mittelmeer

von Stefan Hanf

Wer an die französische Cote d'Azur denkt, dem kommen in der Regel Sonne, Strand und St. Tropez in den Sinn. Wale wohl kaum. Und doch ist das Meeresgebiet zwischen Nizza und Toulon Teil des internationalen Walschutzgebietes "Pelagos" - neben Delfinen finden sich in den tiefen Gewässern vor der Küste sogar große Meeressäuger wie Finn- und Pottwale. ZDF.umwelt hat die Schweizer Umweltschutzorganisation "OceanCare" bei einer Forschungsfahrt im Mittelmeer begleitet.

 
 
 
 

An insgesamt zehn Sommersonntagen verlässt eine voll besetzte Segelyacht den Hafen von Antibes bei Nizza. An Bord sind keine Segelprofis, sondern ein Skipper, eine Wissenschaftlerin und Forschungstouristen. Sechs Tage lang wird die Crew unter Leitung der Biologin Silvia Frey von OceanCare vor der französischen Mittelmeerküste kreuzen. Das Ziel: Wale und Delphine finden und beobachten. "Wissenschaftliches Monitoring" nennt sich das Ganze.

 
Walforscher auf Zeit.
Gespannt warten die "Walforscher auf Zeit" auf ihren Einsatz.
Walforscher beobachtet das Meer.
Das Beobachten erfordert hohe Konzentration.

Walforscher für eine Woche

Kaum aus dem Hafen, geht die Arbeit für die acht Schweizer an Bord auch schon los, die Laien erhalten von Silvia Frey eine Einführung in die Beobachtungstechnik an Bord: "Es geht darum, dass man mit einer konstanten Geschwindigkeit auf einem bekannten Kurs fährt, während immer drei Personen am Bug einen Bereich von 180 Grad in Fahrtrichtung überwachen", erläutert die Expertin.

Immer eine Stunde lang kontrollieren die Forschungstouristen das Meer. Dann wird die Beobachtermannschaft ausgewechselt. Doch die Tiere machen sich rar an diesem ersten Tag auf See. Trotz guter Wetterbedingungen: Meeressäuger sehen die Walbeobachter bis zum Abend keine.

Silvia Frey mit Hydrophon.
Silvia Frey arbeitet mit einem Unterwassermikrophon.

Akustisches Aufspüren

Der nächste Tag - ein neuer Versuch. Forschungsleiterin Silvia Frey packt die Trickkiste aus: Ihr Hydrophon, ein hochempfindliches Unterwassermikrophon kommt zum Einsatz. Damit will sie Wale und Delphine zumindest akustisch aufspüren. Unter Deck hat die 41-jährige ihr Technikzentrum aufgebaut - hier laufen alle Signale des Hydrophons im Computer ein. Das Ergebnis der Ortungen ist ernüchternd, aber auch typisch fürs Mittelmeer: Zu hören sind nur Motorengeräusche, Meeressäuger sind nicht in der Nähe.

Und so bleibt es auch am zweiten Tag dabei - kein Wal in Sicht. Die 15-Meter-Yacht von OceanCare ankert am Abend im Hafen von Port Cros, in einer der schönsten Buchten des Mittelmeeres. Am dritten Tag beginnt die Suche nach den Tieren schon kurz nach Sonnenaufgang. Aus gutem Grund, denn das Wetter ist sonnig, die See ruhig. Ideale Beobachtungsbedingungen also. Um kurz nach sieben ist die erste Mannschaft schon auf ihrem Posten.

 
Streifendelfin.
Der Streifendelfin begleitet einige Minuten das Schiff.

Delphine in der Bugwelle

Und dann, nach nicht mal einer Stunde auf See bricht Hektik aus auf dem Schiff: Streifendelphine haben sich der Yacht genähert - erst zwei, dann drei, dann surfen mehr als ein halbes Dutzend Tiere in der Bugwelle. Mehrere Minuten bleiben die Delphine in der Nähe des Forschungsschiffes, dann tauchen sie wieder ab in die Tiefe. Ein toller Tagesbeginn für die Walbeobachter. Doch geht heute vielleicht sogar noch mehr?

Walexpertin Silvia Frey hängt wieder am Hydrophon - und sie hört etwas Aufregendes: Pottwale - genauer zwei Pottwale. "Das hört man, weil sie nebeneinander klicken," erläutert die Expertin. "Jeder hat seine Klickfolge. Und der zweite klickt nicht genau synchron zu dem ersten, sondern ein bisschen versetzt, deswegen hört man, dass es zwei sind."

 
Pottwal. Quelle: pa/okapia
pa/okapia
Der Anblick des Pottwals ist der Höhepunkt der Forschungsreise.
 

Das Warten hat gelohnt!

Pottwale hören ist das Eine - Pottwale sehen das Andere. Als eines der Tiere nach einem langen Tauchgang an die Oberfläche kommt, haben die Schweizer Glück. Ihr Schiff ist tatsächlich ganz nah dran. Geschätzte 15 Meter lang ist das riesige Tier, von dem man zunächst nur Kopf und Rückenflosse sieht. Wenige Minuten nur dauert das Schauspiel, dann bläst der Wal ein letztes Mal und taucht ab, die Fluke hoch in die Luft gestreckt.

Die Crew ist beeindruckt und fasziniert. Die Sichtung eines ausgewachsenen Pottwals - ein seltenes Erlebnis im Mittelmeer. Es ist die Krönung und der Höhepunkt des sechstägigen Segeltörns von OceanCare. Alle gewonnen Daten werden in eine Langzeitstudie einfließen, die das Vorkommen der Meeressäuger dokumentiert.

 

Infobox

Walforscher auf Zeit

Die Naturschutzorgansisation OceanCare als auch die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS bieten interessierten Laien in den Sommermonaten die Möglichkeit, auf einem Walforschungsschiff im Mittelmeer mitzufahren und dabei wissenschaftliche Aufgaben zu übernehmen.
Kontakt:
OceanCare, Oberdorfstraße 16, Postfach 30, CH-8820 Wädenswil Telefon: 0041-44-7806688 Fax: 0041-44-7806808, email: info@oceancare.org; www.oceancare.org.

Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS, Julia Neider, Altostraße 43, 81245 München, Tel. 089/61002395, email: julia.neider@wdcs.org; www.wdcs-de.org.

 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 27.09.2009 13:25 - 13:50 Uhr

VPS 27.09.2009 13:25

Länge: 25 min

Umweltmagazin, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9